„Über der Schwelle
Und oft, wenn mein Kopf, wenn auch nur für eine Sekunde
frei ist
frage ich mich, „Wann?“.
w a n n i s t d a s a l l e s p a s s i e r t.
Wann hast du angefangen, aufzuhören? Zu glauben, dass deine Eltern unbesiegbare Helden sind. Zu denken, dass Barbie und Ken „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ leben könnten? An das Gute in jeder einzelnen Person? Dich im Bad einzusperren, weil du statt des pinken lieber das violette T-Shirt bekommen hättest?
Wann ist die Welt zu einer geworden, in der vom dritten großen Krieg gesprochen wird? In der Menschen sich in der U-Bahn die Nase zuhalten, weil wieder einmal ein Obdachloser in seiner eigenen Urinlache liegend einen doch so heiß ersehnten Vierersitzplatz in Anspruch nimmt?
In der Barbie zur betrogenen Hausfrau, und Ken zum Alkoholiker wird?
In der eine Teil der Bevölkerung sich ausgiebig mit dem Cellulite-Problem beschäftigt während der andere von Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt wird?
Bist du zufrieden?
Hast du einen ansehnlichen Body-Mass-Index?
Gute Berufsaussichten?
Alle Weihnachtsgeschenke besorgt?
Deine seitenlange To-do-Liste überhaupt schon ansatzweise abgearbeitet?
Ist dein Outfit wirklich modern?
Sieh dir doch mal deine Fingernägel an!

kleine, klare Momente.
In denen ich mir denke: kann ich mir nicht wenigstens ein kleines Stückchen Samstagsbadewanne behalten, wo Mama mir die Haare trockenrubbelt? Ein paar Sekunden Fangenspielen im Garten, meine Hose voller Grasflecken.
Zahnlücken
Beatles-Frisur
Dreck im Gesicht.

Heile Welt, wo bist du?“

© L. Manigatterer

 

Über der Schwelle
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