Drei Groschen hatte ich noch unter dem Mülleimer gefunden. Ich meine natürlich 30 Cent, die mir für die eiskalte Apfelschorle mit Cassis – Geschmack fehlten. Ein kühles Getränk, von dem ich mir Erlösung erhoffte. Denn es war heiß. So heiß, dass jemand von drei Metern Entfernung einen großen Bogen um mich geschlagen hätte, weil dieser sich denken würde, dass diese schwitzende Person auch danach riechen müsste. Es war so heiß, dass man vom Asphalt den Eindruck gewinnen wollte, er schmelze. Als ob flüssige Lava sich unter meinen Füßen ausbreiten würde. Da stand ich nun vor dem Getränkeautomaten, wo sich andere tummelten zum Warten. Es war aber keine klassische Warteschlange eher eine Menschentraube. Drängelnde durstige junge Menschen, die skrupellos ihr Getränk ziehen wollten. Ich wollte mich auf die Bank direkt daneben setzen, um abzuwarten. Aber die war einfach zu heiß, zu sehr von der Sonne aufgeladen worden.

Nach einer Viertelstunde, es kam mir wie eine halbe Stunde vor, war es endlich soweit. Der Bus, der mich nach Bonn bringen sollte, war endlich da. Hab mich aber schnell entschlossen diesen nicht zu nehmen. Vorteil für mich. Die Limo gierige Gruppe verzog sich in den Bus und ich hatte meinen Automaten für mich ganz allein. Langsam aber sicher realisierte ich, dass es keine Apfelschorle mehr gab. Zumindest nicht mit Cassis – Geschmack. Im Radio des Ticket Verkäufers, der sich in seiner gläsernen Sauna mit einem kleinen Ventilator ein Lüftchen durchs Haar schickte, vernahm ich noch, dass es sich dieses Jahr zum wiederholten Male um einen Rekordsommer handelte. Aber das war mir vor zwei Monaten schon bewusst, denn da kam der gleiche Wetterbericht mit ähnlichem Wortlaut: „Dieses Jahr werden mit Rekordtemperaturen gerechnet…“ Daher frage ich mich, wieso wurden nicht schon vor zwei Monaten die Getränke – Automaten mit ausreichend Cassis aromatisierte Apfelschorle aufgefüllt? Im Automaten stand eine einsame Flasche. Das Etikett konnte ich nicht richtig entziffern, aber da die letzten Buchstaben nicht mit „-is“ endeten, konnte es unmöglich die gewünschte Apfelschorle sein. Ich war sauer. Nicht so verärgert, als wenn ich meine favorisierte Schokolade mit Chili und Ingwer im Onlineshop Schoko – Gourmet nicht mehr bekommen würde, aber ich war relativ schlecht gelaunt.

In der Frontscheibe sah ich dann doch noch etwas. Ein andere Flasche, dessen Label ich auch nicht lesen konnte, denn ein lackierter Fingernagel verdeckte die ersten Buchstaben, aber zumindest waren die Endbuchstaben „-is“. Da die Scheibe aufgrund des Kondenswassers beschlagen war, wischte ich mit meinem verschwitzen T – Shirt nochmal den Beschlag weg, um sicher zu gehen. Ja, auch wenn es nur eine Spiegelung war, es war eine Flasche Apfelschorle mit Cassis Geschmack in den Händen eines weiblichen Geschöpfes.

Ich drehte mich um. Sie lachte mich an, so gut wie man es mit einem Trinkhalm im Mund vermochte. Ich begann nachzudenken, wieso sie meint mir ein Lachen zu schenken? Reiß dich zusammen, dachte ich mir. Jetzt keine Schwäche zeigen, sondern schnell die letzte Flasche ziehen. Ich kann nicht ohne Getränk, ohne etwas in der Hand, vor ihr stehen. Wie sieht das denn aus? Sie mit meinem Lieblingsgetränk und ich?

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