Nils gähnte laut vor sich. Dieses Singleportal, auf dem er seit Wochen eingeloggt war, mit dem Namen lastgentleman, langweilte ihn langsam zu Tode. Er hatte an einem Abend ein paar Anschreiben an die hiesige Damenwelt getextet, die per copy and paste Taste in die virtuelle Welt nur so hinausflogen.

Im Grunde schrieben sie immer das Gleiche. Die Untervögelten und Liebeshungrigen.
Danke Nils für deine sypmpathische Nachricht. Was machst du beruflich? Hast du Kinder? Welche Interessen hast du? Oder später dann: Guten Morgen. Hast du gut geschlafen. Was machst du heute. Und so weiter und so weiter.

Etwas wirklich Aufregendes in Bild und Wort hatte er bisher nicht auf den Portalen gefunden. Eher normaler Durchschnitt, alleinerziehende Mütter, hoffnungslos überfordert, frustrierte Ehefrauen, Mauerblümchen. Aber das war ihm auch recht so. Er hatte seine Masche gefunden, nichtssagende Komplimente, gespickt mit ein paar flotten Witzen – damit stieg er recht schnell in der Gunst der jeweils per Mausklick erwählten „Herzens“dame, die ja eigentlich nur eine kurzweilige Bettgefährtin für ihn werden sollte.

Etwas schwieriger war schon die Damen über ein paar Tage bei Laune zu halten. Kurze Trips nach Holland am Wochenende, eine ältere Mutter, die zu versorgen war, er hatte sich schon ein paar Ausreden zurecht gelegt, warum er nun gerade keine Zeit für die jeweilige Lady hatte.

Mit gelegentlichen Besuchen im Fitnesszentrum hielt er sich fit für die Turnstunden in den Laken. Sein blondes Haar fiel in leichten Wellen auf seine Schultern herab. Eine der Frauen hatte ihn neulich als Matula betitelt. Gar nicht schlecht, seine Jeans trug er hauteng und sein Kapuzenpulli verlieh ihm für seine 47 Jahre noch ein recht jugendliches Aussehen.

Auf facebook hatte er sich auch ein Profil angelegt mit falschem Namen, dem Namen den er den Damen gegenüber als den richtigen auswies. Er postete wenig, nur Belanglosen, das Profil diente nur dazu, eine gewisse Wohlanständigkeit zu verströmen. Dabei stimmt hinten und vorne nichts von seinen Angaben.

Das erste Date war immer am anstrengendsten. Da musste er punkten. Gute Laune verbreiten, strahlen wie die Sonne über dem Ballermann. Dieses Einlullen war immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Einige sprangen drauf an, andere waren etwas schwieriger zu überzeugen. Da musste er manchmal drei Dates warten, bevor er zum Zuge kam.

Aber das fand er wenigstens etwas spannend, wenn er seine Beute nicht direkt erlegen konnte. Es stellte eine gewisse Herausforderung dar. Allerdings musste er danach seinen Rückzug gekonnt durchgeplant haben, sonst geriet er schon mal in die Bredouille. Er achtete peinlichst genau darauf, dass die Damen nicht seine genaue Adresse erfuhren. Er seifte sie mit einer Adresse auf der anderen Rheinseite ein, idyllisch gelegen mit viel Natur. Er stellte Spaziergänge in Aussicht, zu denen es jedoch nie kommen würde.

Ihm ging es nur um Sex. Um Befriedigung seines Triebs. Jede Frau war eine weitere Trophäe für ihn, eine weitere Kerbe in seinem Jagdmesser.

Konzentriert las er seine Nachrichten. Da, die kühle Brit, hatte ihm geantwortet. Artig klang sie. Empathisch. Eine Frau mit einer 15-jährigen Tochter. Mit den Bälgern sollten sie ihm bloß vom Halse bleiben. Aber ein bisschen Honig um den Mund schmieren musste er ihr nun doch. Wie wäre es mit: So eine junge, gut aussehende Frau hat schon so eine große Tochter? So etwas in dem Stil. Bla, bla, bla. Sie fielen drauf rein wie die Bienen ins Honigglas.

Nils Kollege Hans betrat den Raum. Mist, schnell loggte er sich bei dem Portal aus. Brit würde warten müssen. Nicht lange, dann wäre Nils wieder bei ihr und er würde ihr schreiben, dass er es kaum erwarten könne, eine so hinreißende Frau kennen zu lernen und den Grundstein für eine lebenslange Romanze zu legen. Der Pfeil Amors würde sie beide treffen, Brit könne sicher sein, dass es nur noch wenige Tage bis zu ihrer beider Liebesglück und inniger Verschmelzung dauern würde.

Dieser Tag würde wieder ein guter sein. Nils grinste.

© Elektra King

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