Heute mit den Besten shoppen“ . Für mich besteht kein Zweifel, dass dieser Tag furchtbar werden würde, wenn er schon so anfängt: „Heute mit den Besten shoppen„, steht da in schwarzen Lettern vor dem beißend weißen Hintergrund: „Ich freu mich ja soooooo dolle„. Ich schüttele den Kopf und frage mich, wie viel Umsatz Facebook noch zusätzlich machen könnte, wenn es den „so what?“– Button einführen würde. So what… Zwei Worte, die genau die Gleichgültigkeit definieren, mit der ich mich durch die Lebensbuchführung der anderen scrolle – bei vielen bereits besser geführt als ihr Terminkalender. Bin ich ein Misanthrop? Ein Zyniker, dass es mir egal ist? Dass es mir nicht „gefällt„? Oder noch schlimmer: Ein Außenseiter, dass ich nicht mehr am Leben meiner Freunde partizipiere? Nein… ein Außenseiter kann ich nicht sein. Stolze 261 Freunde zeigt mein Profil. Tzzz. Ein Außenseiter… ich!

Sieben Leuten gefällt das„, steht da drunter; verlockend, stechend, provozierend, als wollte es fragen: „Und dir?„. Nein das gefällt mir nicht. Will heißen, dass es mir nicht nicht gefällt, sondern dass er mir egal ist. Geh Du mit Deinen „Besten“ shoppen und in China fällt ein Sack Reis um. Lass mich doch in Frieden, mein Gott nochmal!… … … Sieben Daumen rauf für „Shopping mit den Besten“ – dann kann ja nichts mehr schief gehen, denke ich, und nehme einen Schluck von meinem schwarzen Kaffee, der genauso bitter ist wie mein Grinsen. „Sieben Leuten gefällt das“… Sieben! Wenn ich einen Witz poste, gefällt er einem oder zwei… aber sieben! Dabei ist Shopping ja nicht einmal ein Witz. Naja, gut. Wer weiß, wie die Shoppen geht. Hehehe. Der war gut. Dafür würde ich auf „gefällt mir“ klicken.

Sieben Stück… meine Güte. Naja… aber eigentlich kann es mir ja egal sein.

Ich scrolle mich weiter durch das Leben der anderen. Mal sehen… ein alter Schulfreund auf einem Bild. Australien… uuuuh, exquisit. Vor dem Ayers Rock steht er. Mit nacktem Oberkörper. Ein Sixpack hat er auch bekommen. Scheiße. Tja: „vier Leuten gefällt das„. Nur vier… Versager. Ich beginne wieder zu grinsen: Wärste mal besser Shoppen gegangen.

Shoppen… pffff. Sieben Likes fürs Shoppen. Und anschließend wahrscheinlich schön Latte Macchiatto trinken. Mit Kokosgeschmack. Im Starbucks. Schlampe.

Weiter gehts: „Party war super. Echt geile Eskalation„. Mhhhh. Dann irgendwelche Meme- Comics. Der Protagonist will an den Kühlschrank gehen und hat vergessen, was er da wollte. Dann fängt er an zu schreien mit einem superwitzigen Gesichtsausdruck: „fuuuuuuuuuuuuuuuu„.

Wers kennt, liken!“, steht darüber. Kenn ich zwar, aber muss ja niemand wissen.

Sabrina hat ihr Profilbild verändert“. Sehr schön. Auf dem anderen sah sie auch ziemlich fett aus. Eine andere Freundin schickt einer Bekannten einen Kettenbrief, womit sie zeigen will, wie gern sie sie hat. „Ich bin nicht besonders gut in sowas,“ beginnt der Kettenbrief, der bisweilen hunderfünfzigmal geteilt wurde. Klar bist Du nicht gut in sowas… sonst könntest Du es ja selbst tun und müsstest nicht auf einen dämlichen Kettenbrief zurückgreifen. Dumme Kuh. Wenn ihr beiden so dicke seid, macht doch mal was miteinander. Shoppen zum Beispiel.

Da wars schon wieder: Shoppen. So. Jetzt reichts. Jetzt setz ich einen zynischen Kommentar drunter… Shoppen. So ein Scheißdreck. Es ist Mitten in der Woche und die geht Shoppen. Ich scrolle wieder hoch. Scheiße… „acht Leuten gefällt das“.

Was solls. Werd ich halt Nummer Neun.

© Der Zyniker

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