Ich werde dein Lied nicht zu Ende singen.
Dir nicht die fade Genugtuung bringen.
Wie die Welt soll rotieren.
Will dir nicht dumme Sätze zitieren.
Will ganz und gar nicht dich belehren
und dir deinen sogenannten Alltag beschweren.
Ich will auch nicht gestern, heute und übermorgen
dich stetig bereichern mit grundsätzlichen Sorgen.
Ich will dich nicht aus deinem Nebel führen.
Will nicht an deine tiefsten Ängste rühren.
Gleichermaßen sag ich auch nicht,
welch bitterer Zug in deinem Gesicht.
Welch zynische Gelassenheit.
Keinerlei Fragen weit und breit.

Was soll ich sagen oder schreiben?
Genehme Meinungen an meinen reiben?
Was hab ich schon?
Wer bin ich bloß?
Deine dir unbekannte Last
lass ich schnell los.
Soll ich meines Bruders Erweckerin sein,
der noch so froh war
und ganz allein.

Ist es so,
dass dann, wenn die Welt plötzlich und endlich endlich erscheint,
kein Mensch mehr um sich selber weint?

Wir retten nun Delphine und Bären,
Denn die können sich dagegen nicht wehren.
Wir retten sogar die ganze Welt
und zwar so, wie es uns gerade selber gefällt.
Wir behaupten munter,
die Welt gehe übermorgen unter
und würde schändlich von uns aufgeheizt.
Gekaufte Experten lassen sich dafür prämieren,
während wir mittendrin im Herzen erfrieren.

Du siehst in der Welt ein Bild deiner Not.
Die Welt stünde am Abgrund?
Nur du vergisst deine Angst vor dem Tod.
Wie könnte das korrelieren?
Vielleicht willst du auch nur sympathisieren
mit denen, die dir die Welt erklären
und dich dabei in Stücke hauen,

denn dann kannst du selber nicht mehr schauen
und nicht mehr erfahren,
wer du selber bist,
wenn du denkst,
die Welt sei dir
– oder denen und jenen –
untertan
und ge- und zerbrochen
wegen Menschenwahn.

Die ge- und zerbrochene Welt
ist deine liebgewonnene Illusion.
Und du bist längst nicht mehr nur ihr Sohn.
Du bist dann der Retter, der Held und der Gute.
Trägst deine Ohnmacht und mit unsäglichem Mute
schöpfst du aus deinen leeren Kassen,
verletzt die Liebe im Hassen.

Die Welt stirbt nicht und kann auch nicht sterben.
Das kann nur der Mensch,
der jedoch meint,
er könne die unendlichen Früchte erwerben,
die unsere Welt uns jeden Tag gibt
und zwar ohne Wenn und Aber und auch ohne jedweden Zweckgedanken.
Die Welt hält uns sicher und zwar einfach nur, damit wir nicht
wanken.
Doch du wankst und ich auch.
Die Erde bebt und so scheint es kausal,
dass es von außen kommt
und zwar fatal.

Das könnte ein großer Irrtum sein,
in dem wir die Richtung verfehlen.

Wir können die Welt nicht im Innern erkennen.

Die Vermutung, die ich meine,
ist,
dass dann wenn ich mir nur äußerlich erscheine,
und meine,
das innerliche Selbstgefüge
soll im Abgründlichen verborgen bleiben,
ich mich dann heiter selbst betrüge.
Und dann macht die Welt ihr göttliches Kunststück.
Sie wirft uns unseren eigenen Abgrund vor.
Sie bebt und sie spuckt.
Sie weint und sie dürstet.
Sie fault und sie stinkt.
Humpelt und hinkt.

Jedoch der Mensch hört nicht auf zu wissen.
Verblendet starrt er diese Eruptionen an,
die er für evaluierbare Fakten hält.
Darüberhinaus noch meint,
er könne sie retten mit Geld.
So wie ihm das für sich selbst auch möglich scheint.

Was dich im Innern zusammenhält,
ist das, womit und wodurch die Welt fällt.

Stark schlägt dein Herz.
Leicht tanzt dein Fuß.
Hell schaut dein Auge
und sanft hört dein Ohr.
Du bist umfangen von Welt.
Du ruhst in ihrem stetigen Pulsen.
Im Inneren trägst du, was sie dir gibt.

Du kannst sie selbstverständlich hassen.
Verleumden, verderben, beschmutzen, verraten.
Sie wird jedoch niemals von dir lassen.
Sie segnet dich täglich und lässt dich auf ihrer Oberfläche
teilhaben an deinen inneren Taten.

Die Welt ist das Merkmal deines Fühlens und Trachtens.
Mit Sorgfalt und wirklicher Intelligenz,
lädt sie dich durch ihre Emanationen
ein,
in dir selber zu wohnen.

© Heike Bruckmann

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